Meldungen

31.08.2012 | Disc Golf

Die EM-Erlebnisse des "Knirpses" der Deutschen Mannschaft

Max Tkocz fasst seine Erlebnisse auf der EM 2012 in England zusammen.

Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, mit 15 Jahren meine erste Europameisterschaft zu spielen. Dass sie auch noch in England stattfand, war für mich die absolute Krönung. Ich mag das Land.

Wenn ich heute auf die Woche in Colchester zurückblicke, muss ich sagen, dass ich mir alles völlig anders vorgestellt hatte. Den Ablauf, die Atmosphäre, den Kurs. Ich dachte, viel mehr Zuschauer als bei heimischen Turnieren wären beim EM-Turnier, wenigstens beim Finale der Open-Spieler. Oder dass wenigstens Hinweisschilder an der ein paar hundert Meter entfernten Straße stehen würden. Ich hatte mich auf schöne, schwierige Bahnen gefreut. Aber EM-Feeling wollte auf dem Campus der Universität von Essex nicht aufkommen. Ich hatte das Gefühl, es wurde gespart, wo es nur ging.

Es kam mir so vor, als spielte ich ein ganz normales Turnier im Ausland. Nicht, dass das schlecht gewesen wäre: Es war sehr entspannt zu spielen. Die einzigen Zuschauer waren Passanten, die auf den Wegen im Wivenhoe Park und auf dem Fairway gemütlich spazieren gingen. Erst als sie den winkenden und rufenden Offiziellen bemerkten, beschleunigten sie ihre Schritte. Oder eben auch nicht... Es kam des öfteren vor, dass ein Student auf uns zukam und fragte: "Was um alles in der Welt ist das?" Ja haben die denn die kleinen Schildchen nicht gelesen? O.k., die Schilder waren ungefähr hüfthoch und hatten die Größe eines DIN A 4-Blatts. Eigentlich waren sie noch kleiner...

An jedem der vier Turniertage ging alle zehn Minuten eine Gruppe auf den Kurs. Golfstart. Man traf sich zur Startzeit an der ersten Bahn mit seinen Mitspielern, einige Minuten vor dem Abwurf, machte sich bekannt, und schon ging's los... An fast jeder Bahn lauerte eine Strafzone: ob befahrene Straßen " man musste darüber werfen ", Wege, Seen oder Gebäude (und davon gab es mehr als genug!). Hinzu kamen Mandatories. Elf an der Zahl. Auf 18 Bahnen! Wahrscheinlich wollte der Turnierdirektor den Kurs so gestalten, dass er für eine EM schwer genug sei. Durch diese zahlreichen künstlichen Hindernisse spielte man eine Bahn und dachte sich dabei: "Schön ist die aber nicht!"

Das Highlight war für mich persönlich, mit Discgolfern aus ganz Europa zusammen eine Runde zu spielen. Erste Runde: Loic LePleux aus Frankreich kannte ich schon vom Turnier in Strasbourg. Auch Mattias Sandkvist, ein sehr guter Spieler aus Schweden, war sehr nett. Ich glaube, ich habe sie ein bisschen überrascht. Die zweite Runde war noch besser. Ich spielte, wie auch Kjetil Gryt aus Norwegen, eine 72 (Rundenrating 938), meine anderen Flight-Partner, der 18-jährige Pontus Snäll aus Schweden und der Masters-Spieler Michael Bischof-Horak aus ßsterreich, jeweils eine 71. So viel Englisch, wie in den vier Runden, habe ich in meinem Leben noch nicht gesprochen! Ich bekam jedes Mal supernette Flightpartner und hatte insofern viel Glück.

Die 3. Runde mit den zwei schwedischen Junioren Pontus Snäll, den ich schon vom Vortag kannte, und Anton Lindh gestaltete sich in mehrfacher Hinsicht als sehr interessant. Zum einen, weil ich die Runde ohne meine beiden Lieblingsdriver (beide verschollen) spielen musste, und zum anderen, weil noch andere schwedische Discgolfer unsere Gruppe begleiteten. Zeitweise liefen da vier bis fünf Schweden in ihren dunkelblauen T-Shirts über den Parcours. Und ein Deutscher in weiß. Ich. Eigentlich ein Wunder, dass ich nach dieser Runde immer noch kein Schwedisch sprach...

Schade fand ich, dass ich als 15-jähriger keine Chance gegen die bis zu vier Jahre älteren anderen Junioren hatte, obwohl ich drei einigermaßen akzeptable Runde gespielt habe. Wobei man hinzufügen muss: Wenn die Junioren in "jünger als 16" und älter getrennt worden wären, wären wir nur sehr wenige "jünger als 16-Junioren" gewesen.

Natürlich habe ich auch neue Dinge kennengelernt, wie zum Beispiel das Gebäude-OB. Gleich an Bahn eins stand die Ivor Crewe Lecture Hall zur Linken direkt am Fairway. Vor der ersten Runde war ich natürlich ein bisschen aufgeregt. Aber spätestens als ich meinen allerersten Wurf an die Empfangshalle genagelt hatte, war meine Aufregung wie weggeblasen. Nach diesem "Wachmacher" ging es, verdammt noch mal, ums nackte ßberleben! Zweiter Tag an Bahn eins: Alles klar! Ich weiß ja jetzt, wie diese Bahn zu spielen ist. Einfach nur vorlegen. Nur kein OB! Und ich warf... Nicht gegen das Gebäude, nein. Ich warf aufs (!) Dach der Lecture Hall. So viel Dummheit! Da war nichts mehr zu retten. Zweimal hintereinander! Ich hätte mich...Ihr wisst schon was.

Nach vier, oft sogar mehr Stunden Scheiben-von-sich-Werfen waren alle Spieler der Gruppe sichtlich platt. Nachdem wir gefühlte Stunden gewartet hatten " an manchen Bahnen stauten sich zeitweise drei Flights " zählte man seinen Score zusammen. Mattias Sandkvist aus Schweden, einer meiner Flightpartner, fasste es am Ende der ersten Runde treffend in Worte: "The fire's over." Wurde auch Zeit... Und dennoch: In zwei Jahren würde ich gerne wieder dabei sein. Bei der EM 2014.

Maximilian Tkocz

Navigation

WSCA-Meldungen

3.03.2026 | Disc Golf
Advance Approach & Putt Plus 2026
3.02.2026 | Disc Golf
... auf die Eninger Weide

WSCA-Termine

(Details in den jew. Kalendern)