02.05.2011 Taddäus Winkelbeiner. Ein Wochenende voller Strapazen liegt hinter den 123 Teilnehmern der Haus Solling Open 2011. Zerkratzte Unterschenkel, Muskelkater in diversen Wurfarmen und nervliche Zerreißproben haben sprichwörtliche Spuren hinterlassen. Und trotzdem sieht man glückliche Gesichter, hört fröhliche, geradezu euphorische Stimmen über das komplette Areal des CVJM Hauses erklingen.
Wir sind in Dassel und hier ist in wenigen Jahren eine Art Mekka des deutschen Discgolf Sports entstanden.
Zwei abwechslungsreiche und äußerst anspruchsvolle Kurse, über 120 Spieler, perfekte Organisation, leckere und vor allem reichliche Verpflegung und dann noch zur Krönung Kaiserwetter, welches wir aus dem Süden mitgebracht haben, wie Elmar Stampfer bereits treffend anmerkte.
Der WSCA ist mit einem schlagkräftigen Aufgebot von 15 Spielerinnen und Spielern in die Mitte Deutschlands gereist, um großen Sport abzuliefern, viel Spaß zu haben und sich selbst bestätigen zu können, dass man die schwersten Kurse im Lande bezwungen hat. Und letzteres haben alle WSCAler mit Bravour.
Um der guten Erziehung durch meine Eltern Rechnung zu tragen, beginnt unsere Berichterstattung mit der einzigen WSCA Dame. Natalie Mossig hat im mit sieben Starterinnen stark besetzten Feld der Damen einen mehr als respektablen zweiten Platz erkämpft und zeigte einmal mehr ihre aufsteigende Form.
Ehre wem Ehre gebührt. Bei den Grandmastern holte sich Lothar Henseler mit seinem feinen Spiel und seiner Puttstärke den Titel, dicht gefolgt vom immer stärker werdenden Ewald Tkocz, der mit seiner knallharten Vorhand und technisch anspruchsvollen Tomahawk Würfen über ein breites Spektrum an Wurfvarianten verfügt. Beide schafften es, Discgolf Stars wie Benjamin Schneider oder Francesco Puliafito hinter sich zu lassen, was höchsten Respekt verdient, wie ich meine. Der gesundheitlich etwas angeschlagene Elmar Stampfer belegte den 8. Platz, hätte aber im Vollbesitz seiner Kräfte sicherlich auch weiter vorne ein Wörtchen mitreden können. Ortwin Pelger erkämpfte sich den 10. Platz und zeigte am Samstag Abend eindrucksvoll, dass selbst zwei bis drei Radler es nicht vermögen, diesen Pfundskerl aus der Spur zu werfenâ?¦
Bei den Junioren haben sowohl Max Tkocz als 4. als auch Jonas Lehmann als 5. tolle Leistungen erbracht und bewiesen, dass ihre sportliche Entwicklung steil voran geht. Mit ihren Scores hätten sie in der Open Division die Plätze 44 und 54 belegt und damit einige "alte Hasen" hinter sich gelassen. Weiter so Jungs!!!
Kommen wir zu den Mastern und zu einer denkbar knappen Entscheidung um den Titel. Volker Meyer hatte nach drei konstant guten Runden den Titel vor Augen, konnte jedoch leider den absoluten Triumph nicht für sich verbuchen, da seine letzte Runde etwas schwächer war, und erfahrene Haudegen wie der Sieger George Braun oder der Routinier Dave Lizotte diese Schwäche eiskalt ausnutzten und noch vorbeizogen. Trotzdem bleiben für den Neu-Ulmer ein toller 3. Platz und die Erkenntnis, endgültig in der Spitze angekommen zu sein.
Ein absolutes Kuriosum lieferte Jürgen Taube ab. Da er im Vorfeld des Turniers seine Discgolf Tasche verloren hatte, spielte er mit alten Scheiben aus seinem Keller und jeder Spieler weiß, was es bedeutet, mit "fremden" Scheiben spielen zu müssen. Jürgen ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und erzielte einen sehr guten 8. Platz.
Für Ralph "Lemmy" Lehmann musste dieses Wochenende ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein. Nach dem ersten Tag führte er seine Division nach einer guten und einer überragenden Runde an, über Nacht hat er leider beschlossen, anderen den Vortritt zu lassen und fiel letztlich auf einen für ihn enttäuschenden 10. Platz zurück. Trotzdem sollte auch er das Positive mitnehmen, denn als Führender zu übernachten ist bei einem Starterfeld mit solch hoher Qualität aller Ehren wert.
In der Open Division wussten allen voran die beiden Finalisten Dominik Stampfer und der Neueinkauf des WSCA, Taddäus Winkelbeiner zu überzeugen. Dominik spielte sich im Laufe des Turniers kontinuierlich weiter nach vorne, zeigte Discgolf auf höchstem Niveau, konnte größere Fehler vermeiden und belegte letztlich nach einem spannenden Finale den großartigen 2. Platz hinter dem Weltklassespieler Simon Lizotte.
Taddäus Winkelbeiner musste nach einer 6 und einer 7 im Finale noch den Grebensteiner Big Arm Christian Plaue vorbei ziehen lassen und belegte somit den 4. Platz. Nach einer einjährigen Turnierpause trotzdem ein überaus gelungenes Comeback auf der großen Discgolf Bühne.
Der Hesselbach Dominator "Triple M" Marc "Muscle" Mäding konnte leider nicht an seine Top Leistungen aus dem Schwarzwald anknüpfen und musste sich mit Platz 14 begnügen. Wer ihm jetzt aber eine Krise andichten will, der sollte gewarnt sein. Ein Spieler von seinem Format weiß, wie er zu antworten hat und wird das sicherlich schon bald wieder zeigen.
Moritz Lang, der letztes Jahr noch dank überragender Leistung im Finale stand, belegte in diesem Jahr den 20. Platz. Für ihn gilt ähnliches wie für "Triple M". Er wird sicherlich auch wieder weiter vorne auftauchen, da er das Spiel beherrscht und darüber hinaus mit seinem Humor jede (Leading) Group bereichert.
Last but definitely not least: Die "lebende Legende" (Zitat: Christian Schmidt) Martin Fohlert aus der Domstadt Ulm. Der Discgolf Enthusiast mit der feinen Technik belegte Platz 30. Wahrscheinlich hat auch er sich eine etwas bessere Platzierung gewünscht, doch wenn man einen Blick auf das Starterfeld wirft, so erkennt man, dass nahezu alles was Rang und Namen in Discgolf Deutschland hat, anwesend war. Und wenn dann die Form nicht zu 100% stimmt, dann wird man eben schnell durchgereicht. Kenner der Szene wissen jedoch, dass das kleine Kraftpaket mehr kann und dies auch sicher schon bald wieder unter Beweis stellen wird.
Abschließend lässt sich sagen, dass der WSCA sich sowohl sportlich als auch menschlich von seiner besten Seite präsentiert hat und alle Starter ihr Bestes gegeben haben. Es war ein wunderschönes Wochenende, unser Dank gilt den Dasselern für ihre Anstrengungen und man kann nur hoffen, dass es auch 2012 wieder ein solch hochwertiges Turnier in Dassel geben wird. Der WSCA wird wieder dabei sein, so viel ist sicher.